Alltagswiderstand in Nordfriesland (Vortrag von Klaus Bästlein)

Nordfriesland war nicht nur eine der NS-Hochburgen im faschistischen Deutschland. Es gab auch –leider nur vereinzelt – Widerstand gegen die NS-Ideologie und deren Umsetzung. Davon handelt der folgende Live-Mitschnitt eines Vortrags von Dr. Klaus Bästlein aus dem Jahr 2011. Anhand von zehn Beispielen zeigt Bästlein auf, dass es auch in Nordfriesland Widerstand gab. Das war keinesfalls klar - immerhin jubelten hier die Menschen in Massen Hitler zu. Im Dorf Wittbek nahm Adolf Hitler laut Husumer Nachrichten die Ehrenbürgerschaft an, da das Dorf fünfmal hintereinander mit allen Stimmen für die NSDAP gestimmt hatte.

Sehr detailliert und sachkundig geht der Referent anhand der folgenden Themenfelder zur Sache

  • Wie kam es zur NS-Herrschaft in Nordfriesland
  • 10 exemplarische Fälle des Widerstands in der Region
  • Was passierte (nicht) nach 1945 – Fakten und Probleme einer ungebrochenen Kontinuität

Am 10. November 1938 setzte sich ein schwerer LKW mit SA-Leuten aus Husum in Bewegung. Ziel waren die Synagoge sowie die jüdischen Geschäfte in Friedrichstadt. Die Rotte wurde in Friedrichstadt durch dortige einheimische NS- bzw. SA- Mitglieder verstärkt, löste in der  Synagoge eine Explosion aus und setzte diese anschließend in Brand. Nachdem die Gefahr bestand, dass das Feuer sich auf die angrenzenden Häuser ausweiten könnte, schritt dann die Feuerwehr ein.  Danach wurden die jüdischen Geschäfte des Ortes aufgesucht, verwüstet und geplündert. Verstärkung erhielten die Plünderer durch weitere Kräfte aus Flensburg unter Leitung des SA-Mannes Hinrich Möller aus Flensburg. Auch der damalige Heider Bürgermeister und Mitarbeiter des NS-Geheimdienstes (SD) Karl Hellwig befeuerte den NS-Mob. Schnell fanden sich in der sogenannten "Stadt der Toleranz" Friedrichstadt auch die Schaulustigen der Gemeinde und des Umlands ein, um diesem verbrecherischen Treiben zuzuschauen.
Anschließend wurden ca. 20 Friedrichstädter Juden verhaftet. Damit fand des das jüdische Leben in dieser Gemeinde ein trauriges Ende. Dieser Makel haftet auf Friedrichstadt und kennzeichnet die unrühmliche Seite einer Toleranz auch gegenüber den Nazi-Verbrechen. Eine umfassende Aufarbeitung steht noch aus.

Hier können Sie sich den ganzen Vortrag von Dr. Klaus Bästlein anhören!

Stichwortsuche

Please publish modules in offcanvas position.

Free Joomla! template by L.THEME